Einen EUROFIGHTER zu fliegen stellt besondere Anforderungen an die Gesundheit und psychophysische Leistungsfähigkeit der Luftfahrzeugführer. Der Fliegerärztliche Dienst der Bundeswehr unterstützt und fördert deshalb eine den speziellen Beanspruchungen angepasste Gesundheitsfürsorge.

Auf Grundlage des Konzeptes für "Human Performance Enhancement im Fliegerischen Dienst der Bundeswehr" aus dem Jahr 2012 erweitern vor allem Sportwissenschaftler und Physiotherapeuten mit ihrer fachlichen Kompetenz die Fähigkeiten im Team Flugmedizin. Im Verbund mit Fliegerarzt, Flugmedizinischen Assistenten und Fliegerpsychologe entsteht so eine fachkompetente Teileinheit, deren Auftrag darin besteht, durch ganzheitliche Betreuung den Aufbau sowie den langfristigen Erhalt von Gesundheit und Leistungsfähigkeit des fliegenden Personals sicherzustellen. Neben den EUROFIGHTER-Standorten Nörvenich und Neuburg wurde auch unser Verband als einer der ersten personell mit einem Sportwissenschaftler, OLt AImé Jäschner, und einem Physiotherapeuten, HptFw Marcel Günther, erweitert. Ab dem Jahr 2013 folgten weitere Luftwaffenstandorte, wie etwa Jagel, Wittmund, Holzdorf, Büchel und Laupheim. Nach einer halbjährigen Erprobungs- und Planungsphase im Jahr 2013, in der das inhaltlich weniger stark ausgeprägte Grundlagenkonzept auftragsspezifisch innerhalb unseres Verbandes interpretiert und mit Leben gefüllt wurde, blicken wir aktuell auf ein erstes erfolgreiches Kalenderjahr der praktischen Umsetzung HPE zurück.

Hohe Beschleunigungskräfte bis zu 9G (G = Englisch gravity), Druckveränderungen, hohe Geschwindigkeiten (fast doppelte Schallgeschwindigkeit) und eine hohe mentale Beanspruchung fordern eine spezifische und hohe körperliche sowie psychische Leistungsfähigkeit der Piloten. Um unter diesen Belastungen die Fähigkeiten des EUROFIGHTER voll ausnutzen zu können und um körperlichen Schäden vorzubeugen, ist ein sowohl spezifisches und individuell entwickeltes, als auch begleitetes Training wichtig. Um dieses auch verbandsübergreifend möglichst transparent und einheitlich zu gestalten, wurde im Jahr 2013 in Zusammenarbeit mit den Geschwadern 31 und 74 ein konkreter Anwendungsplan entwickelt, dessen Ergebnis ein Trainingsordner ist, welcher für jeden EUROFIGHTER-Piloten individuell angelegt wird. In jedem Verband erfolgt seitdem jährlich ein ganztägiger Eingangstest, bei dem fliegerärztliche, sportwissenschaftliche und physiotherapeutische Tests durchgeführt und personenbezogen
interpretiert werden. Im Patientengespräch werden die Ergebnisse besprochen sowie ein ganzheitlicher Therapie- und Trainingsplan entwickelt. Koordinationstraining, Funktionelles Ausgleichstraining, Krafttraining, Wirbelsäulen- und Ausdauertraining sowie Manuelle Therapie, Massagen, Elektrotherapie, Krankengymnastik und Mobilitätstherapie sind dabei verordnete und empfohlene Maßnahmen, die eine Verbesserung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit hervorrufen sollen. Die Umsetzung solcher Maßnahmen erfolgt durch Einzelbehandlungen des Physiotherapeuten sowie individuelle Kleingruppentrainings durch den Sportwissenschaftler, welche per Schedule in den Dienstplan integriert werden und mindestens zweimal täglich stattfinden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Funktionellen Training mit eigenem Körpergewicht und Kleingeräten. Aber auch Gehirnfitness, Entspannungs- und Konzentrationstrainings, Gewichtsoptimierung oder Gesundheitserziehung sind wesentliche Themen der Gesundheitsfürsorge. Hauptaugenmerk wird dabei auf ein ausgewogenes Verhältnis von Wirbelsäulen- und Rumpfmuskulatur, aber auch Koordination und Gleichgewicht gelegt. Darüber hinaus wird eine individuelle Trainingsplanung und Ernährungsberatung angeboten, um Kenntnisse aus den Bereichen Sportmedizin zu vermitteln. Vor allem in diesem Jahr sollen hierzu spezielle Workshops angeboten werden, die neben dem fliegenden Personal auch andere Soldaten des Verbandes erreichen sollen.

Die gesammelten Erfahrungen, das Feedback und die positive Resonanz aus dem vergangenen Jahr zeigen deutlich, dass unser Verband mit der Umsetzung des Konzeptes äußerst erfolgreich und richtungsweisend voranschreitet. Moderne Trainings- und Therapiemethoden, vor allem aus den Bereichen Functional Training, High Intensive Training (HIT), Flyers Coordination, Core-, Gleichgewichts- und Faszientraining, werden so zielorientiert und innovativ umgesetzt. Nicht grundlos erfolgen immer wieder Anfragen anderer Verbände und Nationen bezüglich der Unterstützung diverser Workshops und Projekte sowie zur Informationsgewinnung. Beispielgebend für den gesamten Fliegerischen Dienst haben wir es geschafft, dank der Zusammenarbeit mehrerer Organisationsbereiche aus Stab und Fliegender Gruppe, ein funktionierendes System zu integrieren, welches nachweislich die Leistungsfähigkeit der fliegenden Besatzungen verbessert und den Ausbildungsauftrag unseres Geschwaders effektiver umsetzen lässt. Gesunde, physisch und psychisch fitte sowie leistungswillige Piloten mit einer hohen Dienstzufriedenheit sind daher auch weiterhin das Ziel des Konzeptes.

Doch auch
zukünftig wird HPE am Standort weiterentwickelt werden: Im Rahmen von CRM (Crew Resource Management) und den am Standort durchgeführten VB-Tagen erhält das Konzept einen immer größeren Stellenwert. Unser Geschwader ist auch hier Vorbild innerhalb des Fliegerischen Dienstes. Neue Herausforderungen, wie die Integration des neuen Helmes, eine spezielle Warmup-Phase für die Wirbelsäule während der Last Chance und die Durchführung von Workshops und Einzelprojekten, auch außerhalb der Liegenschaft, sind nur einige der selbst gesteckten Ziele für das Jahr 2015.

In diesem Zusammenhang bedankt sich das Fliegerärztliche Team des TaktLwG 73 "S" für das entgegengebrachte Vertrauen der Führung, der fliegerischen Besatzungen und der Lehrgangsteilnehmer sowie die Geduld und die Flexibilität der Einsatzstabsoffiziere der FlgGrp und deren Scheduler. Für das Team Flugmedizin in Laage

OLt Aimé Jäschner

Stab TaktLwG 73 "S"
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