Im Verlaufe der deutschen Offensive 1915 im Osten - in Litauen und Kurland - kamen die deutsch-russische Front im Abschnitt Riega-Daugavpils am Fluss Düna-Minsk, zum Stillstand und die Gegner gingen zum Stellungskrieg über. Örtliche Gefechte, Patrouillenkämpfe und Stoßtruppunternehmen prägten für lange Zeit auch das Bild des Krieges in dieser Region.

Auf beiden Seiten starben tausende Soldaten. So blieb es nicht aus, dass auch in der Region um Daugavpils (deutsch: Dünaburg) noch heute Soldatenfriedhöfe aus dem Ersten Weltkrieg zu finden sind.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gräber deutscher Soldaten im Ausland zu erfassen, zu pflegen und zu erhalten. In 45 Staaten werden etwa 852 Kriegsgräberstätten unterschiedlicher Größe mit über 2,5 Millionen Kriegstoten betreut. Soldatenfriedhöfe sind nicht immer homogen, so dass auch die Pflege der Gräber von gefallenen alliierten Soldaten der kriegsbeteiligten Nationen Bestandteil der Pflege ist.

Im August 2015 unterstützten Soldaten des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 "Steinhoff" und der 4./Sanitätslehrregiment aus Feldkirchen die Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. auf einem Soldatenfriedhof nahe Daugavpils in Litauen, der zweitgrößten Stadt des Landes. Auf dem Friedhof ruhen deutsche - zumeist Angehörige - und russische Soldaten.

Nach einer zweitägigen Reise mit dem Auto und Übernachtung in Polen, bezogen wir in einer Kaserne der litauischen Streitkräfte, bei einem Artillerieregiment, unsere Unterkunft. Litauen verfügt über eine etwa 5000 Mann starke reguläre Truppe und einer Vielzahl von Reservisten, die in einer Nationalgarde zusammengefasst sind. Beim Anblick der Unterkunft fielen mir die Probleme im Zusammenhang des Gebäudes U 43 ein und ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. Zustand und Ausstattung waren hier eher spartanisch als nobel. Jedoch für unsere Zwecke ausreichend.

Der Friedhof selbst lag etwa eine halbe Stunde Fahrzeit von Daugavpils entfernt, in einem Wald, zudem auf einem privaten Grundstück gelegen. Vom Besitzer und seiner Familie wurden wir herzlich
empfangen. Während der gesamten Zeit unterstützte er unsere Tätigkeit tatkräftig. Sprachlichen Barrieren zu unserem Gastgeber konnten mit Unterstützung von Hauptmann Olaf Zinke, der der russischen Sprache sehr mächtig war, überwunden werden.

Die Soldatengräber waren in Form eines Kreuzes aufgereiht. Zuletzt wurde der Friedhof von einer Jugendgruppe betreut. Dieses bedeutete, dass er inzwischen mit Gras sowie dem einen oder anderen Baum zugewachsen war. Die Grabsteine waren verwittert und teilweise verrutscht. Alles in allem zeigte sich ein leicht verwahrloster Zustand.

Im Verlaufe der beiden kommenden Wochen wurden durch die Kameraden die Wege und Grünflächen gereinigt, die Grabsteine aus- und aufgerichtet, sowie ein neues Gedenkkreuz angefertigt und aufgestellt.

Das Wochenende in Litauen verbrachten wir in Riga. Diese ehrwürdige alte Hansestadt, Haupt- und größte Stadt des Landes, zeigte sich bei sonnigem Wetter, angenehmen Temperaturen und einer Vielzahl internationaler Besucher in ihrem besten Licht. Untergebracht waren wir in der dortigen Polizei- und Militärakademie. Hier klärte sich für einige von uns auch die Frage, was aus den grauen (Bett-) Decken mit der Aufschrift NVA (heute: Bundeswehr) geworden ist. Sie liegen dort auf den Betten. Dieser Umstand führte zu einigem Gelächter. Nostalgie pur (grins!).

Ihren Abschluss fand die Unterstützungsleistung am Freitag, den 21. August 2015, mit einer kurzen Gedenkfeier und Ehrung der gefallenen Soldaten. Neben der Bürgermeisterin und Verwaltungsangehörigen, in deren Kreis sich der Friedhof befindet, nahm die Familie unseres Gastgebers, der Kommandeur des litauischen Artillerieregiments und ein Verantwortlicher des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in Litauen, teil. Am kommenden Tag ging es mit einer kurzen Unterbrechung (Übernachtung) in Polen zurück in die Heimat.

Mein persönliches Resümee: Eine gelungene Aktion. Ich durfte die litauische Gastfreundschaft, viel Neues und Wissenswertes sehen und erleben. Meine Einstellung/Ansicht zur Notwendigkeit der Kriegsgräberfürsorge musste ich überdenken. Auch kameradschaftsbildende Maßnahmen kamen nicht zu kurz - zum Beispiel der Besuch eines Fußballspiels der Landesliega: Daugavpils - Riga. Alles in
allem ein unvergessliches Erlebnis und im wahrsten Sinne des Wortes eine Bildungsreise. Ich möchte mich im Namen des "Projektoffiziers" der Maßnahme, Oberstabsfeldwebel Uwe Grünewald, noch einmal bei der Geländebetreuung des Objektmanagements Laage für die Unterstützung mit Material und Gerät bedanken.

Hptm Ralf Herzog

Stab TaktLwG 73 "S"

Kommentare

Benötigt

Benötigt