Am Freitag, den 27. Februar 2015 wurden fünf Offiziere anlässlich ihres Abschlusses der Waffensystemausbildung auf dem Kampfflugzeug EUROFIGHTER geehrt. Ehrengast und Gastredner war Brigadegeneral Günter Katz, der als ehemaliger Kommodore des Geschwaders vor genau zehn Jahren selber die EUROFIGHTER-Ausbildung durchlaufen hatte. Auf die jungen Kampfpiloten warten weitere Herausforderungen in ihren Heimatverbänden, die den Nachwuchs schon erwarten.

So wie es in Werbe- und Spielfilmen beschrieben wird, ist das Leben eines Kampfpiloten nicht immer. Bevor ein junger Pilot das Privileg erhält, eines der modernsten Kampfflugzeuge der Welt zu fliegen, müssen unzählige Unterrichtseinheiten absolviert werden. Hauptmann Alexander Gazzana (29), Hauptmann Christoph Hachmeister (29), Oberleutnant Gerald Groß (26), Oberleutnant Jens Vatterott (27) und Oberleutnant Andreas Wolff (26) mussten insgesamt 285 Stunden Theorie absolvieren, die unzähligen weiteren Stunden des Selbststudiums noch nicht inbegriffen. Für eine perfekte Lernumgebung steht das Ausbildungs- und Trainingszentrum zur Verfügung, welches sich in unmittelbarer Nähe zum Simulatorgebäude (ASTA) und den Unterkünften befindet. Die Schüler haben 24 Stunden am Tag die Möglichkeit, dort ihr Wissen zu vertiefen.

Letzte Hürde vor dem Erstflug: Die Simulatorausbildung
Um das theoretische Wissen jetzt in die Tat umzusetzen, werden die Flugschüler in einigen Simulatormissionen auf Herz und Nieren getestet. Neben den Standardverfahren müssen die Schüler vor allem nachweisen, dass sie die Notverfahren sicher beherrschen. Für die Simulatorausbildung stehen zwei Simulatoren zur Verfügung, die miteinander vernetzt werden können. Der Full-Mission-Simulator (FMS) bietet durch seine 360 Grad Sicht und den Originalsitz des EUROFIGHTER die Möglichkeit, den Schüler mit der gesamten Flugausrüstung die Simulationsflüge absolvieren zu lassen, welches einen sehr hohen Grad an Realität vermittelt. Kaum ein EUROFIGHTER-Pilot kann sich davon lossprechen, wegen der realistischen Darstellung schon einmal vergessen zu haben, sich in einem Simulator zu befinden. Die Simulatorausbildung wird von zivilen Fluglehrern begleitet, welche alle aus der Militärfliegerei stammen. Von diesem enormen Erfahrungsschatz profitieren
die jungen Piloten.

Erstes Ausbildungshighlight ist der Alleinflug

Nach dem Startschuss im Mai 2014 standen Mitte Juli die ersten Flüge auf dem EUROFIGHTER an. Das Gefühl, sich in einem Werbe- oder Spielfilm zu befinden, stellt sich spätestens dann wieder ein, wenn die Flugschüler das erste Mal mit heruntergelassenem Visier der Sonne entgegen jagen. Trotz der Elektronik, die den Piloten unterstützt, müssen viele Checks und Aufgaben im Cockpit bewältigt werden. Das treibt dem Flugschüler schnell die eine oder andere Schweißperle auf die Stirn.

Nach dem ersten Flug im EUROFIGHTER folgen weitere Simulatorflüge und einige Trainingsflüge. Schon nach sechs Flügen steht der erste Alleinflug auf dem Plan. Zu diesem Zeitpunkt haben die Flugschüler nachgewiesen, dass sie den EUROFIGHTER nicht nur im Simulator, sondern auch im realen Flug beherrschen. Im Formationsflug mit einem Fluglehrer wird dann der erste Alleinflug absolviert. Auch wenn alle Schüler zuvor schon andere Flugzeugmuster eigenverantwortlich geführt haben, stellt dieser Moment eine besondere Herausforderung, aber auch einen Höhepunkt dar.

Luftkampf
Derzeit bezieht sich die Ausbildung nur auf den Luftkampf. Die Bewaffnung mit Luft-Boden-Waffen wird momentan im Taktischen Luftwaffengeschwader 31 "Boelcke" erprobt. Schon bald wird auch diese Rolle fester Bestandteil der Ausbildung in Laage sein.

Als wichtigstes Grundelement des Luftkampfes zählt BFM (Basic Fighter Maneuvers). Die Flugschüler müssen im Sichtkampf ihre Waffen effektiv einsetzen oder sich entsprechend gegen ein anderes Flugzeug verteidigen. Diese Manöver erfordern den vollen Körpereinsatz, da Beschleunigungskräfte von 9G - also dem Neunfachen der Erdbeschleunigung - häufiger in diesen Missionen erreicht werden. Im nächsten Schritt folgt der Einsatz von zwei EUROFIGHTER gegen ein "gegnerisches" Flugzeug. Die Schüler müssen nun in ihrer Rolle als "Wingman" agieren. Dabei werden die "Gegner" von der Bodenstation aufgefasst. Der Jägerleitoffizier leitet die nötigen Informationen an die Piloten weiter, welche versuchen, die Feindflugzeuge mit ihrem Radar zu erfassen.
Vor dem simulierten Waffeneinsatz müssen die Piloten das Flugziel identifizieren und sicherstellen, dass es sich um einen "gegnerischen" Jet handelt.

Mit fortlaufendem Kurs steigt die Komplexität der Missionen und damit auch die Anforderungen an die Piloten. So kämpfen die jungen Soldaten mit ihren Fluglehrern am Ende dieser Phase gegen bis zu vier Feindflugzeuge. Die Übersicht zu behalten ist dabei nicht immer leicht. Daher lernen die Flugschüler schon früh ihre Aufmerksamkeit in den unterschiedlichen Phasen des Fluges richtig zu verteilen.

Neben diesen umfassenden und anspruchsvollen Flügen werden noch weitere Ausbildungsabschnitte gelehrt. Hierzu zählen der Nachtflug, die Luftbetankung und der Einsatz auf der Alarmrotte.

Dieses Gesamtpaket stellt sicher, dass die EUROFIGHTER-Piloten nach Abschluss der Ausbildung in Laage mit den nötigen Fähigkeiten in ihre Heimatverbände entlassen werden können.

Feierliche Graduation
In Warnemünde empfing der Kommandeur der Fliegenden Gruppe des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 "Steinhoff", Oberstleutnant Lutz Müller, die Angehörigen und Gäste, sowie die Absolventen des B-Kurses zwölf zur feierlichen Graduation. Der offizielle Teil wurde durch die Rede von General Katz geprägt. Dabei verdeutlichte er die herausragende Stellung der Luftwaffe und ihrer Waffensysteme in vergangenen Konflikten. Auch wenn die Ehrung der Kameraden an diesem Abend im Vordergrund stand, forderte General Katz die jungen Piloten auf, sich jederzeit physisch und psychisch auf kommende Aufgaben vorzubereiten.

Voller Stolz haben die fünf neuen EUROFIGHTER-Piloten mit ihren Gästen bis in die Morgenstunden gefeiert. Hptm Gazzana und OLt Groß werden ihre nächsten Flüge im TaktLwG 31 "B" absolvieren. Die Kameraden OLt Vatterott und OLt Wolff kehren nach Neuburg an die Donau ins Taktische Luftwaffengeschwader 74 zurück. Hptm Hachmeister, der als bester Pilot des Lehrgangs ausgezeichnet wurde, wird am Standort Laage verbleiben.

Hptm Christoph Hachmeister

2./FlgStff TaktLwG 73 "S"

Kommentare

Benötigt

Benötigt